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Gegen Ende 2017 hat Amazon erneut tiefgreifende Änderungen vorgenommen, um die Erstellung von Produktrezensionen durch Tester einzuschränken. Stand bisher war: Nutzer können ein Produkt mit einem Coupon kaufen und jeder Nutzer kann bis zu 5 Produktrezensionen zu so erstandenen Produkten pro Woche erstellen. Die Rezensionen waren dann nicht als "verifiziert" gekennzeichnet. Das schränkte die Erstellung der Rezensionen durch Produkttests jedoch offenbar nicht genug ein und nun hat Amazon weitere Maßnahmen ergriffen:

  • Neben der Beschränkung pro Nutzer/Woche gibt es nun eine Beschränkung pro Produkt

Im Klartext: Für Produkte können nun nicht mehr unbegrenzt viele "nicht-verifizierte" Rezensionen abgegeben werden.

In der Praxis wird ein Produkt für die Abgabe weiterer Rezensionen gesperrt, sobald eine bestimmte Anzahl an "nicht-verifizierten" Rezensionen vorliegt. Welche Anzahl tatsächlich zur "Sperrung" führt, ist aktuell unklar, da diese variabel erscheint. Anfänglich sah es so aus, als könnten pro Produkt 10 nicht-verifizierte Rezensionen erstellt werden, hat sich inzwischen aber gezeigt, dass Produkte schon mit 3 oder 4 nicht verifizierten Rezensionen gesperrt werden. Seller und Tester haben es also dadurch noch deutlich schwerer, Rezensionen zu generieren. Welche Alternativen gibt es?

Rezension-Erstellung: Welche Optionen bleiben?

Kauf mit Amazon-Gutschein statt Coupon

Problem am Kauf mit Produkt-Coupons ist, dass die Käufe von Amazon als "nicht-verifiziert" identifiziert werden. Eine Rezension ist dann wie o.g. nicht mehr problemlos möglich. Ein Ausweg könnte hier sein, dass der Tester statt eines Coupons einen echten Amazon-Gutschein über einen Betrag X erhält. Diesen kann er wie gewohnt beim Kauf einlösen. Der Gutschein ist dabei nicht zweckgebunden, sondern ist im Wert eines Betrages X. Soweit wir wissen, denkt man bei dem einen oder anderen deutschen Review-Club darüber nach, in Zukunft die Nutzung solcher Gutscheine zu nutzen. Für den Gesamtablauf hätte das keine großen Auswirkungen: Nutzer erhalten einen Gutschein, kaufen das Produkt und rezensieren. Allerdings gibt es bei diesem Vorgehen einige Probleme, auf die ich eingehen möchte.

  1. Solche Gutscheine sind nicht zweckgebunden, sondern haben einen Wert in Euro, der auch für andere Käufe verwendet werden kann. Damit ergibt sich, dass dieser von Testern auch für andere Zwecke benutzt werden kann. Anstatt das vorgesehene Produkt zu kaufen, kann also der Gutschein einfach kassiert werden. Damit das nicht passiert, muss also kontrolliert werden, ob eine Rezension ("Verifiziert") bei Amazon stattgefunden hat. Dies ist jedoch ganz klar gegen die Amazon-Richtlinien, nach denen keine Kontrolle der Rezension erfolgen darf und auch keine Verpflichtung zur Rezension bestehen darf. Letzterer Aspekt bringt auch wettbewerbsrechtliche Probleme mit sich.
  2. Diese Gutscheine sind wettbewerbsrechtlich als Bezahlung zu werten. Denn der Tester erhält einen Auftrag: "kaufe Produkt X und bewerte es" und erhält dafür einen Geldbetrag in Form eines Gutscheins. Es ist aus juristischer Sicht davon auszugehen, dass hier tatsächlich ein Vertrag zwischen Seller und Tester zustande kommt mit einer Bezahlung für eine Leistung. Dies eröffnet etliche andere Problemfelder. Nicht zuletzt werden auch wettbewerbsrechtliche Aspekte wichtig, denn solche "bezahlten" Rezensionen sind nicht nur klar gegen die Richtlinien von Amazon, sondern müssen auch wettbewerbsrechtlich gekennzeichnet werden. Es ist leicht denkbar, dass Konkurrenten dieses Vorgehen untereinander ausspionieren und abmahnen bzw bei Amazon melden.
  3. Rückgabe: Im Gegensatz zum Coupon erhält der Käufer bei einem Gutschein Geld zurück, wenn er das Produkt zurücksendet. Das werden sicherlich Tester dann auch machen. Das führt allerdings dazu, dass die Retourenquote für dieses Produkt stark erhöht wird - und schadet wiederum dem Produkt und seinem Ranking

Fazit: Das Vorgehen mit Gutscheinen statt Coupons scheint kein sinnvoller Weg zu sein.

Coupon für Kauf wie gehabt

Obwohl Amazon dieses Vorgehen eingeschränkt hat, hat es trotzdem einige Vorteile, die man auch weiterhin nutzen kann. Es gibt automatisierte Plattformen wie Testberichte.reviews, über die man die Coupons schnell und effektiv an Tester verteilen kann. Man sollte das nur an die neuen Reglementierungen anpassen und nachhaltiger arbeiten: Produkte langfristig dort launschen und pro Monat 15-30 Coupons pro Produkt verteilen. Damit sollte es möglich sein, auf die Dauer 10-20 Rezensionen pro Produkt und Monat zu sammeln.

Amazon Vine

Wer kann, wird vermutlich zukünftig stärker auf Amazon Vine setzen. Zwar werden hier Kosten von teilweise mehreren Tausend Euro fällig, wenn man ein Produkt dort an Tester vergeben möchte, aber letztendlich stellt es einen effektiven und Amazon-Konformen Weg dar, Rezensionen zu sammeln

Erstattung des Kaufpreises

Die Erstattung des Kaufpreises ist ein Weg, der vermutlich zunehmen wird. Viele fernöstliche Händler machen das schon in größerem Stil und obwohl es gegen die Amazon Richtlinien verstösst (Info: Reviews mit Kostenerstattung über PayPal, oder: Wie verstoße ich am besten gegen Recht und Richtlinien?) wird es nicht von Amazon geahndet. Allerdings gibt es auch hier ähnliche Probleme wie bei der Verwendung der Gutscheine. Und auch hier können Tester sich den Kaufpreis erstatten lassen und anschliessend das Produkt wieder zurückschicken mit doppeltem Gewinn. Gleichzeitig ist der Personalaufwand für die Erstattung des Kaufpreises verhältnismäßig hoch, denn der zu erstattende Betrag weicht von Tester zu Tester ab und wer dann auch noch die Abgabe der Rezensionen kontrollieren möchte, wird pro Tag etliche Stunden investieren müssen.

Insgesamt sieht es also so aus, als wäre es grundsätzlich nicht erforderlich, andere Wege zu gehen als bisher. Amazon wird sich auch weiterentwickeln und Seller, die jetzt auf Strategien wie die Rückerstattung des Kaufpreises oder Gutscheine setzen, werden auch nicht lange damit "durchkommen". Ich sehe da auch die Gefahr, dass Seller gesperrt werden. Denn Amazon verfolgt eine klare Strategie der Eskalation: Zunächst wurden nur einzelne Tester gesperrt. Im letzten Schritt hat Amazon nun die Abgaben von Rezensionen pro Produkt reduziert. Wenn Beschränkungen von Testern und Produkten nicht helfen, dann ist der nächste logische Schritt: Beschränkung von Sellern. Es ist also denkbar, dass Accounts oder Zugänge gesperrt werden oder zumindest Abmahnungen ausgesprochen werden, wenn auf kreative Strategien gesetzt wird, die klar gegen die Richtlinien sind.