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Amazon hat im Jahr 2016 mehrfach seine Richtlinien geändert, um die immer größere Zahl an Rezensionen für kostenlose Produkte einzugrenzen. Allerdings hat das nicht dazu geführt, dass Rezensionen an sich weniger wichtig geworden sind - und nun beschreiten Seller und Nutzer immer kreativere Wege, um weiterhin in einer Win-Win-Situation zu bleiben: Nutzer erhalten kostenlose Produkte und Seller die entsprechenden Rezensionen.

Amazon Bewertungen mit Rückzahlung via PayPal

Der neuste Schrei dabei ist folgendes Vorgehen: Der Seller sucht Käufer, die sein Produkt bei Amazon ganz regulär kaufen. Meistens erfolgt dies über entsprechende Gruppen bei Facebook:

Amazon Rezension PayPal Rückzahlung

Nachdem der Kunde das Produkt gekauft hat, schickt der die Order-Nummer an den Seller, der daraufhin den Kaufpreis über PayPal erstattet. Meist erfolgt die Rückzahlung natürlich mit der dringenden Aufforderung, eine Rezension zu erstellen oder sogar erst, nachdem eine Rezension erstellt worden ist. Wenn alles klappt, dann ist das Ergebnis perfekt:

  • Der Seller bekommt eine Rezension, die von Amazon sogar als "verifzierter Kauf" gekennzeichnet ist und meistens bei 5 Sternen liegt
  • Der Kunde erhält ein kostenloses Produkt
  • Amazon kriegt nicht mal mit, dass hier Rückerstattet wurde und vermerkt einen echten "Kauf" im System, der auch noch relevant für Keyword-Rankings und Kategorien ist

Richtlinien-Verletzung inklusive

Klingt toll und ist es auf kurze Sicht auch. Allerdings gibt es erhebliche Risiken und Probleme und wer diese Methode einsetzt, der riskiert zumindest seinen Amazon-Account oder sogar schlimmeres. Und gerade als Kunde/Reviewer muss man sich vor Augen halten, dass man sich vom Seller ausnutzen lässt, um gezielt Amazon-Rezensionen und geltendes Wettbewerbsrecht aufzuhebeln. Und das für den Lohn eines mehr oder weniger wertvollen Produktes. Wo liegen die Risiken?

Keine Erstattung: Es gibt immer wieder Fälle, in denen der Kunde gutgläubig ein Produkt bestellt und dann aber vergeblich auf die Erstattung wartet. Und dann bleibt nicht mehr viel, als das Geld in den Wind zu schreiben. Denn wer will dann bei Amazon eine Beschwerde dazu einreichen frei nach: "Hallo, ich sollte Rezensieren und jetzt kriege ich mein Geld nicht zurück - und ach ja, die Amazon Richtlinien wollte ich damit auch brechen"... da schaut man in die Röhre und solche Fälle gibt es:

PayPal Amazon BEwertung

Aber das ist nur das kleinste Problem. Größere Probleme können entstehen, da mit einem solchen Vorgehen (PayPal-Erstattung und dann Rezension) eindeutig Amazon Richtlinien verletzt werden. Amazon.com schreibt dazu: "This also means that it's against Amazon's rules for a seller to ask a reviewer to buy the product and then be reimbursed. We have heard of some sellers who reimburse reviewers through PayPal. This would be considered a paid review and could have severe consequences. Amazon is currently suing many paid reviewers." oder in Deutsch: Amazon betrachtet solche Reviews als "bezahlt" und ist dabei, solche Reviewer zu verklagen. Dabei geht es vermutlich um Schadenersatz - und ich denke, eine solche Klage will niemand am Hals haben :-).

Wettbewerbsrecht - auch hier wird die Axt angelegt

Aber nicht nur die Amazon Richtlinien können Probleme machen. Auch das deutsche Wettbewerbsrecht wird verletzt, wenn Nutzer so vorgehen und dies nicht im Text der Rezension eindeutig kenntlich machen. Und da beginnt dazu Problem, denn die meisten Rezensionen sollen ja von Amazon gar nicht als "rückerstattet" erkannt werden. Daher verzichten die meisten Rezensenten auf den kleinen aber feinen Zusatz, dass sie das Produkt kostenlos erhalten haben. Einige Seller gehen aber noch weiter und fordern regelrecht aktiv, dass diese wettbewerbsrechtlichen Grundsätze missachtet werden:

Amazon Richtlinien PayPal

Fazit: Wie riskiere ich meinen Kunden- oder Seller-Account in Null-Zeit

Wer also als Kunde oder als Seller seinen Amazon Account gefärden möchte, Lust auf eine Klage von Seiten Amazon hat und dabei auch noch gegen deutsches Recht verstossen möchte, der sollte unbedingt ein solches Vorgehen (Rückerstattung des Kaufpreises gegen Rezension) anwenden. Es ist damit zu Rechnen, dass Amazon diesem Vorgehen früher oder später einen Riegel vorschieben wird. Da die Richtlinien das jedoch bereits verbieten, ist der nächste Schritt sicherlich etwas eskalierender zu sehen und wird dann vermutlich einzelne Seller oder Reviewer treffen. Wir sind gespannt, wie sich das weiter entwickelt.

PS.: Praktisch für die Verfolgung solcher Richtlinien-Verletzungen ist übrigens, dass die Seller größtenteils nahezu öffentlich auf Facebook entsprechende Aufforderungen posten und auch die Reviewer in den passenden Facebook-Gruppen leichtfertig und ohne Bedenken an alles und jeden ihre persönlichen Daten oder den Link zu ihrem Amazon-Profil schicken, sobald ein einigermaßen wertvolles Produkt im Dunstkreis erscheint.