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Nachdem in den USA bereits im Oktober eine Änderung der Amazon Terms of Service (TOS) vorgenommen wurde, um dem immer weiter um sich greifenden Geschäft "Coupon für Rezension" Einhalt zu gebieten, gibt es weitere schlechte Neuigkeiten: Mit Wirkung vom 11. November hat Amazon.com in den USA auch die Praktik der Coupon-Generierung tiefgreifend verändert.

Single-Use Coupons sind raus!

Zumindest in den USA kann man seit dem 11.November keine Coupons mehr generieren, die nur zum Kauf eines einzelnen Produktes genutzt werden können und dabei einen festgelegten Geldbetrag als Rabatt einräumen ("Money-off-Coupons").

Es gibt nur noch Coupons, die einen Prozentbetrag als Rabatt einräumen z.b. 20, 40, 60, 80 oder 99% ("Percentage-off-Coupon"). Dabei gibt es aber ein Problem: Bei diesen Coupons kann die maximale Anzahl der Produkte, die damit gekauft werden können, nicht limitiert werden. Das heißt, generierte Coupons sind zum Kauf von einer beliebigen Produktanzahl nutzbar. Und werden damit zum Boomerang, der in den falschen Händen den Lagerbestand der Seller leerräumen kann. Solche Coupons kann man nun nicht mehr mit der Intention nutzen, hohe Rabatte auf einzelne Produkte einzuräumen. Denn wer solche Coupons mit einem Rabatt von 80, 90 oder gar 99% ausstellt, der wird früher oder später von einem Käufer heimgesucht, der mit dem Coupon den gesamten Lagerbestand mit einem Rabatt von 90 oder mehr Prozent leerräumt. Solche Coupons haben nur dann einen Sinn, wenn geringe Rabatte von 10-20% eingeräumt werden - denn das dürfte nur organische Käufer generieren, die lediglich zur Kaufentscheidung einen kleinen Anreiz brauchten. Die beliebten Coupons mit hohen Rabatten von bis zu 100% und der Option, dass diese nur einmalig einsetzbar waren, gehören damit der Vergangenheit an.

Nur ein Fehler von Amazon?

Interessant sind die Hintergründe dieser Änderung. Von Amazon verlautete, dass steuerliche Problematiken in den USA zur Abschaffung der Money-Off-Coupons geführt haben und eben nicht der Plan, das Review-Business insgesamt einzuschränken. Es ist anzunehmen, dass hier die eine Hand nicht weiss, was die andere tut: Steuerexperten sahen wohl tatsächlich ein Problem und haben Änderungen erwirkt. Allerdings ohne sich wohl mit den praktischen Auswirkungen auseinander zu setzen. Denn so wie es sich nun darstellt, machen die Coupons keinen Sinn mehr. Kein vernünftiger Seller wird nun einen Coupon mit einem relevanten Rabatt generieren und herausgeben, bei dem es nicht möglich ist, den eigenen Lagerbestand bzw die Anzahl der verkauften Produkte zu limitieren. 

Weiterhin gibt es schriftliche Statements vom Amazon Seller Support in den USA, dass man diese neuen Einstellungen für eine Weile ausprobieren wolle. Zwischen den Zeilen der dazugehörigen Korrepsondenz lässt sich allerdings klar erkennen, das keine koordinierte Marschrichtung besteht, sondern offenbar auch bei Amazon eine gewisse Konfusion herrscht, wie mit den Coupons sowohl steuerrechtlich als auch praktikabel umzugehen ist. Gleichzeitig ist es in der Seller Central auf Amazon.com immernoch so, dass auf eine Limitierung der Anzahl der Käufe pro Coupon hingewiesen wird - was aber in der Praxis nicht funktioniert. Es scheint also, als wäre hier ein Fehler bei Amazon zu sehen.

Als Fazit bleibt, dass Amazon hier wohl nachbessern wird. In der aktuellen Fassung machen Coupons damit keinen Sinn mehr - gleichzeitig ist jedoch die bisherige Praxis der Coupon-Ausgabe zumindest vorerst nicht mehr möglich. Beruhigend für Deutschland aus meiner Sicht: Solange die Amazon.com-Änderungen aus dem Oktober 2016 noch nicht bei uns angekommen sind, wird man sich wohl auch vor dieser Änderung nicht sorgen müssen.

PS.: Auch wenn ich nicht glaube, dass diese Rahmenbedingungen so bestehen bleiben: Es gibt einen Trick, mit dem auch mit diesen Coupons zumindest theoretisch weiter gearbeitet werden kann. Denn man kann für das jeweilige Produkt festlegen, dass jeder Nutzer nur eins kaufen kann - unabhängig, ob ein Coupon genutzt wird oder nicht. Diese Einstellung betrifft dann aber eben nicht nur Coupon-Käufe, sondern alle Käufe, daher halte ich das aktuell allenfalls für einen Notbehelf. Da das für uns in Deutschland im Augenblick keine Relevanz hat, verfolgen wir das nicht weiter, haben aber zumindest einen Ansatzpunkt, falls die Regeln in den USA zu bleiben und auch zu uns nach Deutschland übertragen werden.